Der einzige Zweck...

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Dies ist ein Beitrag zur Mehrblick Blogparade "Besinnung auf echtes Unternehmertum".

(Ich schreibe hier in der -Innen Form. Es nervt, ich weiß. Mich auch, aber es ist wichtig:

Wir denken in Sprache.

Deswegen ist es wichtig, einen großen Wortschatz zu haben, weil wir dann mehrere Optionen, mehr Abstufungen und Nuancen denken können als nur zB lieben und hassen.

Deswegen wird auch permanent versucht, durch Sprache unser Denken zu verbiegen: Pensionsharmonisierung statt -kürzung, Abbau von Bürokratie statt Entlassung, neutralisieren statt töten, „easy shopping“ statt teurer Kauf auf Kredit .

Deswegen schreibe ich hier UnternehmerInnen)

 

Wer ist UnternehmerIn?

Angestellte arbeiten im System, Selbständige sind das System und UnternehmerInnen bauen Systeme. So einfach ist das.

 

Die wichigste Aufgabe eines Unternehmens

Die zwei wichtigsten Unternehmertum-Erkenntnisse der letzten Zeit waren für mich, erstens, dass die einzige Aufgabe von Unternehmen nicht darin besteht, wie landläufig angenommen und gelehrt, Gewinne zu machen oder zu maximieren, sondern KundInnen den größtmöglichen Nutzen zu bieten. Zweitens, dass der speziell in der Nachhaltigkeits-Szene weit verbreitete und hoch gelobt Stakeholder-Ansatz in Bezug auf den Zweck eines Unternehmens mit Vorsicht zu genießen ist.

Warum?

Die MitarbeiterInnen wollen einen sicheren Job, die Investoren wollen maximalen Gewinn, die Lieferanten wollen die größte Marge verdienen, die Medien wollen eine gute Story, die Banken wollen möglichst langlaufende oder nie endende Kredite.

Zu viele unterschiedliche Interessen beim Zweck und den Kernwerten eines Unternehmens, verwässern seine Stärke und machen seine Vision schwammig und kraftlos. Man kann es nicht allen recht machen. Zu viele Köche verderben den Brei.

Ein Unternehmen sollte autoritär in den Werten und partizipativ in der Umsetzung sein, schreibt Stefan Merath in seinem Buch „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“, (meiner Unternehmertum-Bibel).

Ist der Stakeholder-Ansatz also Blödsinn? Nein! Es ist wichtig die Bedürfnisse aller Beteiligten zu berücksichtigen! Aber nur die Konzentration auf den Nutzen für die KundInnen vereint alle Interessen. Nur wenn wir MitarbeiterInnen gut behandeln, auf die Umwelt Rücksicht nehmen, nur wenn wir einen Gewinn erwirtschaften und in die Verbesserung des Kundennutzens investieren, können wir auch in 50 oder 100 Jahren noch der Gemeinschaft den größtmöglichen Wert bieten. Es ist also notwenig, einen Gewinn zu erwirtschaften, um weiterhin zu überleben, der muß aber nicht groß sein und schon gar nicht maximiert werden.

 

Die Chancen für UnternehmerInnentum werden, aus meiner Sicht, in nächster Zeit stark zunehmen.

Warum?

Je mehr abgehobene Konzepte, Rettungsschirme, virtueller Hokuspokus und Schulden-Luftschlösser gebaut werden, je mehr die Welt von Krisen geschüttelt wird, desto größer wird der Bedarf nach Echtem, Bodenständigem, Hausverstand, Realwirtschaft und UnternehmerInnentum.

Je mehr Staaten, Gemeinden das Geld ausgeht, desto wichtiger wird es, aus wenig etwas oder aus nichts viel zu machen, neu zu denken, sich nicht aufs Geld und den Preis, sondern den Wert einer Sache oder Dienstleistung zu konzentrieren und echten, realen Nutzen zu schaffen statt nur zu reden und abzuzocken.

Je mehr große Unternehmen Massen entlassen, um ihre Gewinne zu steigern, je mehr ältere Menschen keine Arbeit mehr finden, weil „die Wirtschaft“ keine Verwendung für sie hat - und damit enormes Potential verschwendet -, je mehr also die alte Wirtschaftsmaschine ihre Rädchen ausspuckt und zu stocken beginnt, desto mehr kommt die Zeit von solidem, bodenständigem UnternehmerInnentum.

 

Und wen können wir damit ansprechen, wenn nicht Jugendliche?

Junge Menschen lieben Herausforderungen, begeistern sich für neue, innovative Wege, für Spirit, für das Unmögliche, sie wollen zeigen, was in ihnen steckt, wollen ihr Potential entfalten, wollen die Welt entdecken und retten, wollen ausbrechen und alles besser machen als „die Alten“/Eltern.

Und sie haben noch den größten Teil ihrer Zukunft vor sich. Es liegt also in ihrem ureigenen Interesse, die Welt so zu gestalten, wie sie es für sinnvoll erachten.

Es liegt also eine Zeit der Fülle von Chancen vor uns. Nützen wir sie!

 

Das große Ziel der Bildung ist Handlung, meinte Aldous Huxley.

 

Ich stelle euch Günther Kollmar von der Brauerei Oettinger vor. Der Familienbetrieb stellt Bier her, das weit unter dem marktüblichen Preis liegt, die Mitarbeiter sind hoch motiviert und werden überdurchschnittlich gut bezahlt, der Vertrieb ist sehr spezialisiert und verzichtet auf Zwischenhändler, das Bier hat eine hohe Qualität und Oettinger ist in den letzten 15 Jahren zu Deutschlands meistverkauftem Bier geworden – trotz oder wegen fast keinen Marketings: „Das Marketing-Getue nervt die Leute sowieso nur.“ Ein gutes Beispiel um mit einer einfachen Strategie, Konzentration auf das Wesentliche und dem Weglassen von allem Firlefanz – gutes Bier auf einfache Art zu einem niedrigen Preis – ein gutes Produkt auf den Markt zu bringen.

http://oettinger-bier.de/philosophie-2

 

 

Wir werden nie ... Teil 2

Auf den Punkt Zukunftsangst (geht sich das alles aus mit dem Klimawandel, dem Euro, der Wirtschaftskrise, ...?) vom letzten Blogbeitrag muß ich noch einmal eingehen, weil er - meiner Erfahrung nach - weit verbreitet ist und zum Teil auch bewußt von diversen Öko-Demagogen geschürt wird.

Die ziehen gerne durchs Land und erzählen den Leuten, dass sie schlecht, unwürdig und mit großer Schuld beladen sind, weil sie zu viel Energie verbrauchen, einen zu großen Fußabdruck haben, schon wieder geflogen sind, ein zu großes Auto haben, im Büro ihre Klimaanlage bei 37 Grad eingeschaltet haben und dem Rest der Welt die Ressourcen wegnehmen. Und die Erde wird wärmer und wärmer, die Unwetter nehmen zu, die nächste Wirtschaftskrise steht vor der Tür, den Euro wird es auch nicht mehr lange geben und Kriege um die letzten Wassertropfen sind nicht mehr fern. Wir lächeln vielleicht, wenn in den USA religiöse Führer den Weltuntergang verkünden. So viel anders ist das auch nicht, was man in Österreich zum Teil hört. (In Österreich legt sich keiner fest, wann genau die Welt untergeht.)

Und was passiert? Die Leuten schalten ab, werden depressiv, machen - vor Angst gelähmt - gar nichts, werden irgendwann anfällig für extreme Standpunkte und "holen sich noch ihren Teil", bevor alles den Bach runtergeht.

Damit will ich nicht vermitteln, dass alles paßt wie es ist, wir weitermachen können, wie bisher. Mir ist schon bewußt, dass wir grundsätzliche Änderungen brauchen. Dass es nicht reichen wird, weiterhin immer mehr und mehr Energie zu verbrauchen, Autos mit Verbrennungsmotor durch Elektroautos zu ersetzen, weiterhin T-Shirts um zwei Euro zu kaufen, die wir nach ein paar Monaten weghauen, (weiterhin) sieben Mal am Tag Fleisch zu essen, den Biomüll im Altpapier zu verstecken, weiterhin Tonnen von Plastik im Meer zu versenken und die Regenwälder durch Golfplätze zu ersetzen. Weil´s eh wurscht ist. Es ist kein Zufall, dass wir in so vielen Bereichen (Meere, Böden, Atmosphäre, Ressourcen, Artenvielfalt, Wasser, Wirtschaft...) an Grenzen stoßen. Wir können nicht mehr weiterziehen ins nächste Jagdrevier. Diesmal müssen wir unser Muster von Grund auf ändern.

Aber es ist die Art und Weise, die den Unterschied macht.

Angst und Schrecken zu verbreiten, jammern, reden, Meetings abhalten, anderen die Schuld zuschieben und schubladieren hat vielleicht lange funktioniert, bringt aber nichts und interessiert keinen mehr. Selber machen, inspirieren, durch Begeisterung mitreißen, innovativ und cool Neues wagen, ausprobieren, testen, erschaffen und führen durch Vorbild ist angesagt.

 

 

Wir werden - nie, Nie, NIE - in einer "nachhaltigen" Welt leben

wenn wir so weiter machen wie bisher.

Ich kenne immer mehr Menschen in der "Nachhaltigkeits-, Social Business- und Weltretter-Community", die daran arbeiten, dass unsere Welt nachhaltiger wird, sich selbst beuten sie aber nach wie vor aus, wie eine Kohlemine. Die Ausbeutung, die sie bei Ressourcen, Kindern, ausgepressten ArbeitnehmerInnen in der Welt draussen bekämpfen, betreiben sie unaufhörlich bei sich selbst. Sie kommen am Zahnfleisch daher, arbeiten - natürlich ehrenamtlich, weil die Sache wichtiger ist, als man selbst -, und stehen gerne mit mindestens einem Fuß im Burnout.

Es ist ja für den guten Zweck. Für die schöne, neue Welt.

Wenn wir nur hart genug arbeiten und uns geißeln und schinden, werden wir irgendwann in die schöne, neue, nachhaltige Welt (oder ins Paradis) kommen ...

Wenn wir dann in der Pension sind, wird nicht alles besser werden, wenn wir uns nicht jetzt schon Zeit für die wichtigen Dinge nehmen.

Wenn mein Startup-Unternehmen dann endlich laufen wird, werden wir keine Zeit für uns haben, weil es auch noch 100.000 Dinge geben wird, die zu tun sind, wenn es läuft. Es gibt immer 100.000 Dinge zu tun.

In der neuen Wohnung mit der schönen Terasse und der großen Badewanne werden wir uns nicht viel besser fühlen, wenn wir jetzt schon nur als Grantscherben oder Zwiderwurzen herumlaufen.

Mit der neuen Freundin wird nicht alles viel besser, wenn wir uns in der Zwischenzeit nicht geändert haben.

Nach der Schönheitsoperation werden wir uns nicht besser fühlen, wenn wir jetzt schon ein von Unzulänglichkeit geprägtes Selbstbild haben.

In der schönen, neuen, nachhaltigen Welt wird nichts besser sein, wenn wir jetzt in einem Gefühl von Zukunftsangst (geht sich das alles aus mit dem Klimawandel und dem Euro und der Wirtschaftskrise, ...?) leben. (Das ist ein echter Klassiker in der Szene!)

Mehr Geld, der Lottosechser oder der Durchbruch werden uns nicht glücklich machen, wenn wir jetzt schon nicht glücklich sind.

Warum?

Es geht um das MUSTER.

MEHR nur MEHR macht von dem, was schon ist. Mehr Geld macht auch nur mehr, von dem was schon ist. Eine MEHR schönere Wohnung, eine MEHR tollere Freundin, eine MEHR geradere Nase ändern gar nichts. Sie verstärken nur, was schon ist. (Mein Deutsch ist super, ich weiß.)

Wenn wir nicht jetzt schon das leben, was wir in Zukunft haben wollen, werden wir es nie bekommen.

Wir werden nicht für, sondern von unseren Sünden bestraft.

Als "Disclaimer" muß ich gleich einmal vorweg schicken, dass ich keine religiöse Diskussion anzetteln will und dass ich mit dem Konzept "Sünden" nicht viel anfangen kann, vor allem dann nicht, wenn es dazu dient, Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen oder Angst einzujagen. Nach dem Motto: wer ein schlechtes Gewissen hat, ist gefügiger und leichter manipulierbar.

Was meine ich also mit "Wir werden nicht für, sondern von unseren Sünden bestraft."?

Was, wenn uns niemand am Ende des Lebens bestraft, wenn es kein "jüngstes Gericht" gibt, wenn wir nicht zumindest ins Fegefeuer kommen? (Ich weiß schon, dass das heutzutage fast niemand mehr ernsthaft annimmt.) Trotzdem denken wir so. Wir wachsen mit diesen Vorstellungen auf, unsere Rechtssysteme sind so aufgebaut: "Wenn du böses tust, wirst du irgendwann bestraft werden."

Was ist, wenn "der Welt" es egal ist, wie wir leben, wenn es umgekehrt ist? NICHT: wenn du das und das machst, wirst du bestraft. SONDERN: Du könntest es so viel besser haben, wenn du das und das tust.

Beispiele:

Wenn du als Mann deine Freundin schlägst, kommst du nicht vor´s jüngste Gericht, wirst nicht bestraft und mußt nicht in der Hölle braten. Du bestrafst dich selbst. Sofort. Du hast ein erbärmliches Leben, eine Freundin die Angst vor dir hat und wirst nie die schönen Seiten einer Partnerschaft erleben.

Es ist nicht gut oder schlecht im Tal zu bleiben, aber wenn du nie den Berg erklimmst, wirst du nie die prachtvolle Aussicht genießen können, das befriedigende Gefühl verspüren, innere Widerstände überwunden zu haben und nie wissen, wie die Dinge von oben ausschauen.

Es ist nicht gut der schlecht, in einem Job zu arbeiten, den man haßt, der einen aussaugt, den man nur des Geldes wegen macht. Niemand wird uns dafür bestrafen. Wir bestrafen uns selbst. Jeden Tag. Es ist unsere Wahl. Wollen wir: "ja, aber ich brauch das Geld, ich kann nicht..., ich will mir keinen anderen Job suchen..., in meinem Alter ...,...  - Scheißjob! - Oder wollen wir: eine Arbeit, die wir sinnvoll finden, die uns Freude macht, ein angenehmes Arbeitsklima, nette Kollegen, ein Unternehmen mit dem wir uns identifizieren...

Wir könnten es so viel besser haben...